Drahtkarte: Marsalek floh über Wien – Wirtschaft nach Minsk

Es ist die spektakulärste Flucht seit mehreren Jahren, und doch war noch nicht klar, wann und wie Jan Marsalek, ehemaliges Vorstandsmitglied des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard, Deutschland verließ. Forschung Süddeutsche Zeitung zeigt nun, dass Marsalek am Abend des 19. Juni einen Privatjet bei einer Charterfirma in Innsbruck gebucht und vom Flughafen Vöslau-Kottingbrunn bei Wien nach Minsk, der Hauptstadt von Belarus, geflogen ist. Dort verliert er nach einem zweistündigen Flug um 11 Uhr Ortszeit seine Spur. Marsalek soll die Flugkosten von rund 8.000 Euro in bar bezahlt haben.

Es gibt einige Anzeichen dafür, dass Marsalek von Minsk nach Russland weiterreiste. Der Kommandant hatte Berichten zufolge gute Kontakte zu ehemaligen Mitgliedern des russischen Militärs und Geheimdienstbeamten.

Bisher wurde immer wieder berichtet, dass Marsalek am 18. Juni geflohen ist, nachdem ihm an diesem Nachmittag vom Aufsichtsrat am Hauptsitz von Wirecard in Aschheim eine Beurlaubung gewährt worden war. Marsalek traf sich jedoch an diesem Abend in einem italienischen Restaurant im Zentrum von München mit Zuversicht. Unter anderem mit einem ehemaligen Leiter des österreichischen Geheimdienstes, dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Bis vor vier Jahren leitete der ehemalige Spion die Abteilung 2 des Geheimdienstes, wo er für die Bereiche Extremismus, Terrorismus, Spionageabwehr, Verbreitung, Sanktionen und den illegalen Handel mit Kriegsmaterial verantwortlich war. Der Ex-Agent soll nach seinem Ausscheiden aus der Behörde zusammen mit Marsalek an Wirecard-Projekten gearbeitet haben. Der Anwalt des ehemaligen BVT-Beamten wollte sich nicht zu bestimmten Fragen äußern, einschließlich der Frage, ob er Marsalek bei seiner späteren Flucht helfen würde.

Inzwischen hat die für Wirecard zuständige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY größere Schwierigkeiten. Im April 2020 veröffentlichte der Wettbewerber KPMG die Ergebnisse einer speziellen Überprüfung, die letztendlich dazu beitrug, das Jahr des Betrugs auf Wirecard aufzudecken. Wie sich nun herausstellt, haben das Board und das Board weitere Ergebnisse in einem sogenannten Informationsband erhalten. In diesem Anhang, der der SZ zur Verfügung steht, berichten die KPMG-Prüfer über einen EY-Mitarbeiter, der Berichten zufolge bereits 2016 gewarnt hat, dass die Führungskräfte von Wirecard möglicherweise in Betrug verwickelt sind und dass ein Bestechungsversuch hätte stattfinden sollen.

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Diese Anschuldigungen waren schwerwiegend und führten zu einer forensischen Untersuchung namens “Project Ring”, die laut KPMG 2018 vom inzwischen volatilen Ex-Vorstandsmitglied Marsalek vorzeitig beendet wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Abschlussbericht. Die Ergebnisse der Umfrage wurden auch nicht ausreichend in den Jahresbericht 2017 aufgenommen. EY bestreitet die Behauptungen, dass zu diesem Zeitpunkt alles korrekt dokumentiert war.

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