Mit Manfred Knof als Commerzbank-Manager entstehen Fusionsphantasien

Geld Manfred Knof

Nur zweite Reihe bei der Deutschen Bank – plötzlich Chef der Commerzbank

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Der Vorstandsvorsitzende der Allianz Deutschland AG, Manfred Knof, spricht auf der Jahrespressekonferenz seines Unternehmens am 9. März 2017 in Unterföhring (Bayern). Foto: Tobias Hase / dpa | Weltweit einsetzen Der Vorstandsvorsitzende der Allianz Deutschland AG, Manfred Knof, spricht auf der Jahrespressekonferenz seines Unternehmens am 9. März 2017 in Unterföhring (Bayern). Foto: Tobias Hase / dpa | Weltweit einsetzen

Von der zweiten Zeile direkt ins Rampenlicht: Manfred Knof hat das größte Vertrauen in Großinvestoren Cerberus

Quelle: Bildallians / Tobias Hase

Manfred Knof wird Leiter der Commerzbank. Experten sind überrascht, weil er mit seinem früheren Arbeitgeber, der Deutschen Bank, in der Hierarchie viel niedriger lag. Die Tatsache, dass er immer noch den Job bekommt, ist wahrscheinlich auf eine andere Leistung zurückzuführen.

S.Die höchste Position ist seit Jahrzehnten besetzt Commerzbank klare Regeln. Wer als CEO zurücktritt, vermittelt das Amt immer einem engen Vertrauen. Klaus-Peter Müller wurde einmal von seinem Schüler Martin Blessing gefolgt, der wiederum von Martin Zielke geerbt wurde, der freundlich zu ihm war.

Selbst in stürmischen Zeiten garantierten die Mitarbeiter des höchsten Frankfurter Bankenturms Zuverlässigkeit ohne Überraschungen.

Der innere Frieden ist jedoch seit einigen Monaten vorbei. Zielke verließ seinen Posten nach einem gewaltsamen Angriff des amerikanischen Finanzinvestors Cerberus, der an der Bank beteiligt war. Mit Manfred Knof, der derzeit noch das deutsche Privatkundengeschäft der Deutschen Bank leitet, steht nun sein Nachfolger fest. Und die Wahl des 55-Jährigen legt nahe, dass in Commerzbank Ab seiner Amtseinführung am 1. Januar wird ein weiterer, härterer Ton vorherrschen.

Überraschung für den Ex-Arbeitgeber

Während Kritiker Zielke kürzlich beschuldigten, zu ehrgeizig zu handeln, ist Knof fast der Prototyp des kompromisslosen Renovators – und war bisher in dieser Rolle erfolgreich.

Bei der Deutschen Bank hat er dies jedoch nur teilweise bewiesen. Er hat dort vor etwas mehr als einem Jahr übernommen. Seine Aufgabe war enorm: Knof sollte trotz niedriger Zinsen radikale Einsparungen erzielen, den Umsatz steigern und gleichzeitig die seit mehreren Jahren unvollendete technische Integration der Postbank und die Digitalisierung des Geschäfts vorantreiben.

Nur wenige Monate nach seinem Start wurde gesagt, dass der selbstbewusste Chef so frustriert war, dass er erwog, seinen Job zu kündigen. Am Ende schien er sich jedoch in der Rolle befunden zu haben: Einige Großprojekte, wie die Integration des zuvor in einer unabhängigen Einheit organisierten Geschäfts, in die Gruppe verliefen reibungslos, und auch bei der Spararbeit wurden Fortschritte erzielt: Die Bank gab erst vor wenigen Tagen bekannt von über 100 Filialen.

Ein Meisterwerk an die Allianz

Der Wechsel sollte daher nicht nur seinen derzeitigen Arbeitgeber überraschen. Als die Wirtschaftswoche den Namen Knofs als möglichen Kandidaten aufnahm, wurde er im Umfeld des Instituts fast ausgeschlossen. Und Personalberater hielten den Chef auch für eine unwahrscheinliche Wahl.

Immerhin sei er nicht einmal im Vorstand der Deutschen Bank und deshalb zu tief in der Hierarchie, sagten sie. Ihm fehlt auch die Erfahrung im Geschäft mit Firmenkunden. Für die Commerzbank sollte dies jedoch besonders wichtig sein. Schließlich besteht in den kommenden Monaten die Gefahr eines erheblichen Kreditrückgangs.

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Die Tatsache, dass Knof Vorrang vor internen Kandidaten wie Roland Boekhout, Finanzvorstand und CFO Bettina Orlopp hatte, ist vor allem auf seine Leistungen bei der Allianz zurückzuführen. Der Chef hat mehr als 20 Jahre seines Berufslebens mit Versicherungen verbracht. Der ehemalige Assistent des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Henning Schulte-Noelle trug insbesondere zum Management von in Schwierigkeiten geratenen ausländischen Tochtergesellschaften bei. Die Renovierung des Schweizer Standortes gilt bis heute als Meisterwerk, und Knof nahm auch in Osteuropa Gestalt an.

Dank dieser Erfolge übernahm Knof schließlich die Führung für die Allianz Deutschland. Obwohl er mit der wichtigsten Konzerngesellschaft immer gute Ergebnisse erzielte, geriet er zunehmend in einen Machtkampf mit CEO Oliver Bäte. Es lag auch an den unterschiedlichen Persönlichkeiten: Während Bäte sich als digitaler Visionär hervorheben wollte und drohte, die Organisation mit ständig neuen Initiativen zu überwältigen, sicherte sich der knarrende Knof, was möglich war. Als er auch klar machte, dass er Betes Posten leicht vertrauen würde, wurde das Tuch schließlich geschnitten. Knof verließ die Gruppe Ende 2017.

Beim Schneiden emotionslos

Selbst nahe Verwandte würden nicht daran denken, den in Köln geborenen Anwalt als glücklichen Menschen und großen Charismatiker zu loben. Sie sehen seine zerbrechliche Natur jedoch als Zeichen der Qualität. “Knof spielt keine Spiele, man weiß immer, wo man bei ihm steht”, sagt jemand, der ihn gut kennt. Dies gilt auch für harte Kürzungen: “Es ist ihm egal, die Anzahl der Arbeitsplätze emotional zu reduzieren”, sagt jemand, der mit ihm bei der Allianz zusammengearbeitet hat.

Solche Skrupel wären auch ein Hindernis für seine neue Aufgabe. Eine fünfstellige Anzahl von Arbeitsplätzen kann in den nächsten Jahren bei der Bank abgebaut werden. Ein aktuelles Konzept sollte auch eine Reduzierung von derzeit 1000 auf nur 200 ganze Filialen beinhalten. Knof wird sich ein Bild machen – und dann die Ziele konsequent angehen.

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Christina Virzí ist Gründerin und Geschäftsführerin der Christina Virzí GmbH, die sich auf Immobilienmanagement und Mandat für den Vorstand spezialisiert hat. Das Unternehmen arbeitet sowohl für börsennotierte Unternehmen als auch für Familienunternehmen mit Sitz in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Er sollte die Unterstützung von Großaktionären haben: Der Finanzinvestor Cerberus schätzt zahlenorientierte Optimierer. Und die Bundesregierung hat kürzlich auch klargestellt, dass sie konsequentere Anstrengungen gegen das Institut unternehmen will, von dem aufgrund der Rettung in der Finanzkrise immer noch gut 16 Prozent dem Staat gehören.

Viele Beobachter glauben jedoch, dass es für die Commerzbank unmöglich ist, langfristig unabhängig zu bleiben. Obwohl Deutsche Bank hat eine Wiederaufnahme von Fusionsgesprächen ausgeschlossen, die letztes Jahr ausgesetzt wurden, sie gilt immer noch als echte Partnerin. Es erscheint daher nicht unmöglich, dass sich der Kreis in absehbarer Zeit für Knof schließt.

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