Palantir – die mysteriöse amerikanische Überwachungsfirma enthüllt fantastische Zahlen

Börsengang
Palantir – die mysteriöse Überwachungsfirma enthüllt fantastische Zahlen

Palantir entwickelt unter anderem Software für Geheimdienste

© Andrej Sokolow / DPA

Das von Peter Thiel gegründete Datenanalyseunternehmen Palantir ist insgeheim geheim. Jetzt muss das US-Unternehmen aufgrund des bevorstehenden Börsengangs die Bücher zum ersten Mal prüfen. Aber nicht nur die schlechten Zahlen sind bemerkenswert, sondern auch der Chef.

Peter Thiel ist einer der legendärsten Investoren im Silicon Valley. Der in Frankfurt geborene Milliardär machte PayPal groß und war der erste Investor in Facebook, was ihn sehr reich machte. Aber sein legendärstes Unternehmen heißt Palantir.

Bereits 2003 gründeten Thiel und vier Kollegen das amerikanische Datenanalyseunternehmen, das seitdem von einer mysteriösen Aura umgeben ist. Zu den Kunden von Palantir zählen Geheimdienste, Anti-Terror-Agenturen und andere Sicherheitsinstitutionen. Vertraulichkeit liegt in Dingen.

Jetzt veröffentlicht Palantir – und ist daher zum ersten Mal gezwungen, der Öffentlichkeit einen Einblick in ihr Geschäft zu geben. Und die Zahlen im am Dienstag veröffentlichten Prospekt sind bemerkenswert. Weil das berüchtigte Softwareunternehmen an enormen Verlusten arbeitet. Palantir verzeichnete im vergangenen Jahr einen Verlust von 590 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von nur 740 Millionen US-Dollar. Für 2018 gibt es einen Verlust von 600 Millionen US-Dollar.

Berichten zufolge hat Palantir seit seiner Gründung vor 17 Jahren nie mehr Gewinn gemacht. Das Unternehmen wurde in der letzten Finanzierungsrunde vor fünf Jahren von Investoren mit mindestens 20 Milliarden US-Dollar bewertet. Sie können jedoch nicht so schnell auf Unternehmensgewinne hoffen. “Wir erwarten einen Anstieg unserer Betriebskosten und sind möglicherweise in Zukunft nicht mehr rentabel”, sagte das Unternehmen. Immerhin: Im ersten Halbjahr 2020 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um fast 50 Prozent, der Verlust betrug nur 165 Millionen Dollar.

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Palantir-Chef erklärt sich

Im fünfseitigen Prospekt enthüllt Palantir nicht nur Zahlen, sondern erklärt auch ausführlich, was er selbst sieht, verteidigt sich gegen Kritik und schießt scharf auf den Rest des Silicon Valley.

Palantirs Betrieb besteht hauptsächlich aus zwei Softwareplattformen zur Analyse großer Datenmengen, eine für Behörden und eine für Unternehmen. Während “Gotham” speziell für Polizei, Militär und Geheimdienste entwickelt wurde, wird “Foundry” von Unternehmen wie Airbus, Fiat Chrysler, BP, der Credit Suisse und dem Chemieunternehmen Darmstadt Merck eingesetzt.

Sie arbeiten ausschließlich für Kunden, die die westliche liberale Demokratie und ihre strategischen Partner unterstützen, so das Unternehmen. “Unsere Softwareplattformen werden von den USA und ihren Verbündeten auf der ganzen Welt verwendet”, schreibt CEO Alexander Karp. “Viele der weltweit wichtigsten Institutionen, von Verteidigungs- und Nachrichtendiensten bis hin zu Gesundheits-, Energie- und Fertigungsunternehmen, verlassen sich auf die von uns entwickelten Softwareplattformen.”

Die Palantir-Software wird in 36 Branchen in mehr als 150 Ländern eingesetzt, ausdrücklich nicht in China, da die Zusammenarbeit mit der dortigen Kommunistischen Partei “mit unserer Kultur und Mission unvereinbar ist”, heißt es im Prospekt.

Allgemeine Kritik am Silicon Valley

Bemerkenswert ist die scharfe Kritik von CEO Karp aus der Softwareindustrie im Silicon Valley. Es ist wahr, dass Palantir dort gegründet wurde. “Aber es scheint, dass wir immer weniger Werte und Verpflichtungen mit der Technologiebranche teilen.” Palantir hat von Anfang an wiederholt Möglichkeiten zum Verkauf oder zur Sammlung von Daten abgelehnt. “Andere Technologieunternehmen, darunter einige der größten der Welt, haben alle ihre Geschäfte darauf aufgebaut.”

Palantir, das kürzlich seinen Hauptsitz von Palo Alto im Tal nach Denver, Colorado, verlegt hat, ist an sich schon sehr umstritten. Besonders verdächtig sind Aktivitäten zur Förderung der staatlichen Überwachung. Deutsche Befürworter der Privatsphäre haben bereits den Einsatz des Programms “Gotham” zur Verbrechensbekämpfung durch die hessische Polizei kritisiert. Im Jahr 2016 sorgte eine Klage des US-Arbeitsministeriums für Rassendiskriminierung für Aufsehen, da Palantir asiatische Bewerber in Stellenanzeigen systematisch diskriminiert haben soll.

Peter Thiel arbeitet nicht bei Palantir, besitzt aber laut Prospekt noch 29,8 Prozent des Unternehmens. Seine Risikokapitalgesellschaft Founders Fund besitzt weitere 12,7 Prozent. CEO Karp kontrolliert 9,3 Prozent.

Der Name Palantir stammt aus Tolkiens Fantasy-Roman “Herr der Ringe”. Es ist eine magische Kristallkugel, mit deren Hilfe man weit entfernte Dinge sehen und sogar die Vergangenheit und die Zukunft betrachten kann. In dem Roman erscheint Palantiri als mächtiges und gefährliches Werkzeug.

Quellen: DPA / Forbes /. Palantir-Prospekt

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