Verbraucherbericht 2020: Seien Sie vorsichtig vor der Haustür – ein tückischer Herbst droht

K.Wenn dies wie erwartet geschieht, müssen die Verbraucher in diesem Land aufgrund der Pandemie erneut auf strengere Beschränkungen vorbereitet sein. Die Zahl der Infektionen nimmt wieder zu und was dies für den Alltag bedeutet, ist vorhersehbar: mehr Home Offices, mehr Online-Shopping, weniger Meetings im Freien.

Das Verbraucherberatungszentrum befürchtet nun, dass einfallsreiche Einzelhändler die zunehmende Zeit nutzen könnten, die Verbraucher zu Hause an ihren Verkaufsstellen verbringen. Diejenigen, die tagsüber zu Hause bleiben, sind viel anfälliger für Terrorismuswerbung per Telefon oder von Tür zu Tür. “Dies ist ein Phänomen, das wir im Herbst erwarten”, warnte Klaus Müller, Leiter des Bundesverbandes der Verbraucherorganisationen (VZBV), bei der Vorlage des jährlichen Verbraucherberichts.

Solche Angebote können sich schnell als Kostenfalle erweisen: Sie haben nicht die Möglichkeit, Verträge vor der Haustür oder telefonisch zu vergleichen, sagt Müller. Das Ergebnis: Die Verbraucher sind unvorbereitet und daher empfänglicher für Verkäuferkampagnen.

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Telefonwerbung ist in der Tat ohne Zustimmung des Angerufenen verboten. Das Consumer Advice Center behält vor allem die Anbieter von Prepaid-Kreditkarten, Versicherungen und Stromgebühren im Auge.

Verträge sind für Verbraucher bereits ein nerviges Thema: In der aktuellen Umfrage von vzbv gab jeder Vierte an, in den letzten zwölf Monaten Probleme mit einem Vertrag gehabt zu haben. Dies betraf insbesondere die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen, von denen sich mehr als jeder Dritte beschwerte.

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Die größten Probleme wurden von Lieferanten verursacht, die ihre Versprechen zu vereinbarten Dienstleistungen nicht einhielten (31 Prozent). Die Verbraucher waren gleichermaßen verärgert über den schlechten Kundenservice. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der vierte Hauptgrund für eine Beschwerde jetzt von Bedeutung ist: gefälschte Verträge.

In den letzten zwölf Monaten waren sie dennoch für jeden zehnten Verbraucher ein Problem. In seiner jährlichen Umfrage im August befragte vzbv 1.500 Personen.

Weitere Beschwerden in Online-Shops

Die derzeitige Rechtslage schützt jedoch Kunden, die von Lieferanten überrascht wurden – vorausgesetzt, sie reagieren rechtzeitig. Vereinbarungen, die Verbraucher vor ihrer Haustür oder telefonisch getroffen haben, sind wirksam.

Aber auch hier gilt in der Regel ein zweiwöchiges Widerrufsrecht. Und wenn ein Verkäufer nicht über die Möglichkeit der Kündigung des Vertrages informiert hat, verlängert sich die Widerrufsfrist auf ein Jahr.

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Dennoch empfehlen die Befürworter der Verbraucher, keinen Vertreter in die Wohnung zu lassen und niemals im Voraus zu bezahlen. Das Bundesjustizministerium plant außerdem, die Mindestlaufzeiten zu verkürzen und Verträge automatisch zu verlängern. Die entsprechende Rechnung existiert bereits. Das Bundeswirtschaftsministerium sei jedoch besorgt, heißt es.

Selbst im derzeit florierenden Netzwerkgeschäft hat die Zahl der Verbraucherbeschwerden seit der Koronakrise zugenommen. Kunden beklagten sich darüber, dass sich die Lieferungen stark verzögerten oder sie die Einzelhändler nicht mehr erreichen konnten, so die Verbraucherberatungsstellen.

Konsumentenvertreter befürchten die Welle übermäßiger Verschuldung

Dies ist besonders ärgerlich, wenn Käufer bereits im Voraus bezahlt haben. Und die Verbraucher fühlen sich im Internet allein, wie der Jahresbericht von vzbv zeigt. Fast die Hälfte aller deutschen Bürger sieht ihre Interessen im Digitalen als “nicht wirklich gut” oder “überhaupt nicht” geschützt an.

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Die drei Hauptbeschwerden umfassen Online-Shopping (19 Prozent), Mobilkommunikation (18 Prozent) und Komplettpakete mit Telefon, Mobilkommunikation, Internet und Fernsehen (14 Prozent). Übrigens glaubt die Mehrheit nicht, dass die Politik die Probleme lösen wird. Insgesamt 71 Prozent der Befragten haben “ziemlich viel” oder sogar “kein” Vertrauen in Verbraucherschutzmaßnahmen.

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Abzocke mit Verträgen oder beim Online-Shopping können viele in einer Zeit betreffen, in der es ihnen finanziell bereits schlecht geht. – Die allgemeine Unsicherheit in der Bevölkerung nimmt unter anderem zu Kurzzeitarbeit oder Arbeitslosigkeit und niedrigere Einkommen mit laufenden Kosten, erklärt Müller.

Das Verbraucherberatungszentrum befürchtet daher eine echte Welle übermäßiger Verschuldung von Privatpersonen. “Ich bin kein Pessimist, aber man muss sich darauf vorbereiten”, sagt der führende Verbraucheranwalt. Aus diesem Grund besteht bereits eine starke Nachfrage nach budgetorientierten Verbraucherberatungsstellen. Die Opfer wollen wissen, wie sie langfristige Verträge loswerden und Privatinsolvenzen vermeiden können.

Gebrochene Träume gehen ans Geld

Neben den Verlusten durch Kurzzeitarbeit und Arbeitsplatzverlust haben die zerbrochenen Träume der Deutschen auch hohe Kosten verursacht, wie eine kürzlich von der Berliner Mobilbank N26 in Auftrag gegebene Umfrage zeigt. Im Durchschnitt verloren die Verbraucher infolge der Pandemie 995 Euro – zum Beispiel, weil Umzüge verschoben werden mussten, Kosten für geplante Veranstaltungen anfielen und sich die Reisekosten verzögerten.

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Im Vergleich zu sieben anderen befragten Ländern liegen die Deutschen ganz vorne. In den anderen großen europäischen Ländern waren die Verluste geringer: 651 EUR in Italien, 504 EUR in Frankreich und 467 EUR in Spanien.

“Unternehmen und Verbraucher dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden”, sagt Müller. Er fordert erneut, den “modernen Raub einer Milliarden-Dollar-Industrie” einzudämmen – womit er meint, dass zweifelhafte Inkassounternehmen weiterhin bestehen.

Wenn Verbraucher ins Hintertreffen geraten, bestellen Händler oder Zahlungsunternehmen einen Inkassodienst. Ihre hohen Gebühren übersteigen oft den tatsächlich um ein Vielfaches höheren Betrag. Im ersten Halbjahr 2020 gingen bei der Verbraucherberatungsstelle landesweit mehr als 6.000 Beschwerden über das Inkasso ein.

Ein Überblick über den Klimaschutz

Auch die Bundesregierung will die Abzocke bald mit einem Gesetz beenden. Sie hat bereits einen Entwurf eingereicht. Folglich sollten die Gebührensätze in Abhängigkeit von der Höhe des Schadens erheblich sinken. Es gibt jedoch Kritik: Anwälte befürchten Lücken, Verbraucheranwälte neigen dazu, die Interessen des Inkassosektors zu schützen.

Eines ist die Verbraucher jedoch optimistisch: ihre eigenen Verpflichtungen zum Klimaschutz. Die Befragten zeigten eine hohe Bereitschaft, nachhaltig produzierte Produkte zu kaufen (85 Prozent) und den Verbrauch tierischer Produkte zu begrenzen (73 Prozent).

Darüber hinaus ist mehr als die Hälfte der Deutschen bereit, häufiger öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und weniger zu fliegen. Das Mehrheitsversprechen von mehr Klimaschutz hat jedoch eine Grenze – wenn es um Elektroautos geht. Derzeit wären nur 46 Prozent bereit, auf Elektromobilität umzusteigen.

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